- Wissenschaftlicher Hintergrund & Entwicklung des Moskauer HSCT‑Programms
Dr. Denis Fedorenko ist Professor für Medizin, Hämatologe und Leiter der Autoimmun‑Transplantationseinheit am staatlichen Pirogow‑Zentrum in Moskau.
- Pionierarbeit in Russland — Die erste HSCT bei MS in Russland wurde 1999 von Prof. Andrei Novik durchgeführt. Fedorenko war sein Postdoktorand und folgte ihm 2005 nach Moskau, wo sie eine große staatliche Transplantationsabteilung aufbauten.
- Fokus auf Autoimmunerkrankungen — Neben Blutkrebs behandelt das Zentrum seit 2005 systematisch Autoimmunerkrankungen, insbesondere MS, aber auch rheumatologische und seltene systemische Erkrankungen.
- Internationale Öffnung — Seit Ende 2011 werden internationale Patienten behandelt. Die ersten kamen aus Australien, Großbritannien und den USA – alle mit erfolgreichen Ergebnissen.
- Größte Erfahrung weltweit — Bis heute wurden über 3.000 MS‑Patienten transplantiert, davon mehr als 2.300 internationale Patienten – die weltweit größte Fallzahl eines einzelnen Zentrums.
- Medizinische Prinzipien & Weiterentwicklung der Therapie
Dr. Fedorenko erklärt detailliert, wie sich das Moskauer Protokoll entwickelt hat und welche wissenschaftlichen Überlegungen dahinterstehen.
- Warum HSCT wirkt — MS ist ein Fehler des Immunsystems: T‑ und B‑Zellen greifen Myelin an. HSCT entfernt dieses fehlgeleitete Immunsystem („Lymphablation“) und baut ein neues, gesundes Immunsystem auf.
- Moderne Protokolle — Das aktuelle Moskauer Protokoll basiert auf Fludarabin + Cyclophosphamid, ergänzt durch hochdosiertes Rituximab.
Vorteile: tiefere Lymphozyten‑Depletion, höhere Wirksamkeit, deutlich geringere Toxizität. - Sicherheit — Seit Einführung des neuen Protokolls (2021):
0 % Sterblichkeit, keine Intensivstationsfälle. - Zweite HSCT — Für seltene Rückfälle existiert ein eigenes Programm mit verstärkter Chemotherapie und intrathekaler Behandlung. Rund 50 Patienten wurden erfolgreich re‑transplantiert.
- Zusammenarbeit & internationale Vernetzung
- Freundschaft mit Dr. Burt — Fedorenko und Burt kennen sich seit 1999, treffen sich regelmäßig auf internationalen Konferenzen und wurden gemeinsam für den Preis „Pioneer in Medicine“ nominiert.
- Austausch mit Dr. Ruiz — Beide Zentren kennen sich gut; unterschiedliche Protokolle, aber viele erfolgreiche Patienten.
- Weltweite Patienten — Trotz fehlender Direktflüge ist die Anreise unkompliziert (z. B. über Istanbul oder Belgrad). Patienten aus Europa, Australien und den USA reisen regelmäßig an.
- Zukunft der MS‑Therapie
Dr. Fedorenko beschreibt eine dreistufige Vision für die zukünftige Behandlung von MS:
- 1. Lymphablation — Entfernung des fehlgeleiteten Immunsystems durch gezielte Chemotherapie.
- 2. Immunregulation — Einsatz regulatorischer T‑Zellen, um das neue Immunsystem stabil zu halten.
→ 2026 führte Moskau die weltweit erste HSCT + T‑Reg‑Kombination bei einer Patientin durch. - 3. Regeneration — Mesenchymale Stammzellen (MSC) können unterstützen, aber nicht reparieren.
Die Zukunft liegt in iPSC‑Zellen, die echte Remyelinisierung ermöglichen könnten.
- Patientenerfahrung, Motivation & Philosophie
- Ganzheitlicher Ansatz — HSCT ist nur ein Teil der Therapie. Ebenso wichtig sind:
psychologische Unterstützung, Lebensstil, Rehabilitation, Motivation. - Heilungsoption statt Modifikation — Laut Fedorenko (und Burt) ist HSCT die einzige Therapie, die MS potenziell heilen kann, nicht nur verlangsamt.
- Mentale Stärke — „Die MS aus dem Kopf zu löschen ist genauso wichtig wie die Chemotherapie.“
Glaube an den Erfolg, Willenskraft und aktive Mitarbeit sind entscheidend.
- Praktische Hinweise für Patienten
- Anreise & Visa — Touristenvisum + Einladung der Klinik; unkompliziert, aber etwas mehr Aufwand als vor der Pandemie.
- Sicherheit in Moskau — Laut Fedorenko: sicher, viele Patienten nutzen die Zeit für Ausflüge.
- Kontakt & Betreuung — Die Klinik begleitet Patienten eng, u. a. durch Koordinatorin Anastasia.